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Asien Kurier  11/2011 vom 1. November 2011
Vietnam

Zu hohes Handelsbilanzdefizit

Importierte Inflation destabilisiert die Wirtschaft; im Handel mit Deutschland erzielt Vetnam einen Überschuss

Von Thomas Hundt, Germany Trade & Invest in Hanoi

Vietnam leidet unter einem chronischen Handelsbilanzdefizit, das 2011 circa 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen wird. Der negative Saldo betrifft eine Volkswirtschaft, in der exportorientierte ausländische Unternehmen die Hälfte des Außenhandels bestreiten. Die Importe an Vorprodukten, Maschinen, Konsumgütern, Erdölprodukten und Gold übertreffen die Ausfuhren allerdings deutlich. Die Lücke in der Handelsbilanz und deren Folgewirkungen gefährden das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht des ambitionierten Schwellenlandes.

Das Handelsbilanzdefizit Vietnams stieg von 1,2 Milliarden US$ im Jahr 2000 auf 18 Milliarden US$ im Jahr 2008 und wird sich 2011 auf geschätzte 11 Milliarden US$ belaufen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass der Saldo mittelfristig auf diesem Niveau verharren wird. Der Fonds prognostiziert ferner, dass nicht nur die Handelsbilanz sondern auch die Dienstleistungsbilanz sowie die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen bis 2015 negativ ausfallen werden. Zwar werden die Dienstleistungseinnahmen durch den Export von Fremdenverkehrsleistungen zunehmen, gleichzeitig werden steigende Ausgaben für Importe von Finanz- und technischen Leistungen für eine anhaltend passive Dienstleistungsbilanz sorgen. Auf die bereits passive Einkommensbilanz wirken sich die Rückführungen von Gewinnen internationaler Unternehmen negativ aus.

Einfuhren nach Warengruppen in Vietnam
Quelle: General Statistics Office

Die gesamte Zahlungsbilanz muss ausgeglichen sein. Auf der vietnamesischen Habenseite werden laut Wirtschaftsanalysten auch künftig neue direkte Investitionen ausländischer Unternehmen, Überweisungen von Auslandsvietnamesen in ihre Heimat sowie die Übertragungen von Entwicklungsgeldern durch ausländische Organisationen stehen.

Die Zentralbank versucht dem Leistungsbilanzdefizit entgegenzusteuern und wertete die nationale Währung in den letzten Jahren mehrfach ab. Zuletzt reduzierte sie im Februar 2011 den festgelegten Kurs der Nationalwährung Dong gegenüber dem US-Dollar um 8 Prozent. Auf dem freien Währungsmarkt war der Wert des Dong zuvor bereits stark gefallen.

Mit der Abwertung gelang eine leichte Verbesserung des Handelsbilanzsaldos. Das Handelsministerium (Ministry of Trade and Industry) bestätigt, dass von Januar bis September 2011 die Exporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 70 Milliarden US$ wuchsen. Die Importe stiegen ebenfalls um 27 Prozent auf 77 Milliarden US$, weil die meisten Einfuhren Zwischenprodukte sind. Diese werden von Exportbetrieben mit meist geringer lokaler Wertschöpfung verarbeitet. Ihre wichtigsten Ausfuhrgüter sind Textilien, Bekleidung und Schuhe, die sie hauptsächlich in den USA und Europa absetzen.

Zwar werden mit einem schwächeren Dong vietnamesische Produkte auf dem Weltmarkt günstiger, gleichzeitig verteuern sich aber die Importe für die vietnamesische Wirtschaft. Die Preissteigerungen für importierte Konsumgüter treiben darüber hinaus die Inflation an.

Wegen der beschleunigten Geldentwertung - der Verbraucherpreisindex soll 2011 um geschätzte 18 Prozent zulegen - horten die vietnamesischen Sparer immer mehr US-Dollarnoten und Gold. Das Kapital ist damit dem Finanzmarkt und der Kreditvergabe in Dong entzogen. Die Geschäftsbanken müssen wegen der Geldentwertung 2011 zudem ihre Zinsen auf Spareinlagen und Kredite kräftig erhöhen. Das knappe, teure Kapital mindert die Finanzierungsmöglichkeiten der Privatwirtschaft für Investitionen. Der dringend benötigte Ausbau des industriellen Kapitalstocks kommt zum Stillstand.

Die Appelle der Regierung, vermehrt heimische Produkte zu kaufen und lokal hergestellte Ausrüstungen einzusetzen, bleiben ohne Erfolg. Die Substitution von Importen durch lokale Produkte gelingt wegen des technischen Rückstandes vieler Zulieferbetriebe nicht. Aufgrund der geringen Fertigungstiefe der heimischen Industrie haben Unternehmen oft keine andere Wahl, als auf ausländische Maschinenbauerzeugnisse, Halbwaren, Bauteile und Vorprodukte zurückzugreifen. Die meisten Importrechnungen wird Vietnam auch auf absehbare Zeit an deren Lieferanten zahlen.

Im Chinageschäft fährt Vietnam das größte Defizit ein (12,7 Mrd. US$ in 2010). Es wurden Waren im Wert von 20 Milliarden US$ importiert. Den größten Posten machten Maschinen und Ausrüstungen mit 4,5 Milliarden US$ aus. Vietnam exportierte lediglich Güter im Wert von 7,3 Milliarden US$ in die VR China.

Wichtigste Lieferländer sind die asiatischen Nachbarn. China lag 2010 mit einem Importanteil von 23,6 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Südkorea (11,5%), Japan (10,6%), Taiwan (8,2%) und Thailand (6,6%). Die ersten nichtasiatischen Importpartner sind die USA (Platz 7, Einfuhranteil 4,4%) sowie Deutschland auf Rang 11 mit 2,1 Prozent der gesamten Einfuhren.

Deutschland ist innerhalb der EU der größte Handelspartner Vietnams. Das Statistische Bundesamt registrierte 2010 Ausfuhren deutscher Lieferanten im Wert von 1,48 Milliarden Euro (+32,8% mehr als im Vorjahr). Im Zeitraum Januar bis Juli 2011 verzeichnete das Bundesamt ein leichtes Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Knapp 30 Prozent der deutschen Exporte sind Maschinen und Anlagen, darunter insbesondere für die Hersteller von Getränken und Nahrungsmitteln. Den zweitgrößten Posten stellen chemische Erzeugnisse.

Die vietnamesische Wirtschaft erzielt einen kräftigen Überschuss beim Handel mit Deutschland. Die Bezüge aus dem südostasiatischen Land beliefen sich 2010 auf 2,94 Milliarden Euro - ein Zuwachs von 28,4 Prozent. Hauptimportwaren sind Textilien, Bekleidung, Schuhe, Fischerzeugnisse und Kaffee.





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